Weiter trägt

Wer wird, wer wird eingehen in die Ewigkeit?
Und warum? Warum hat dir keiner gesagt:
Mit der Frage hast du schon längst versagt.

Ist es nicht seltsam, dass die Hoffnung weiter trägt
als uns der Weg des Lebens führt?
Sogar, sogar durch kalte Zeitlichkeit.

Wer wird, wer wird strahlen voller Heiterkeit?
Und warum? Warum bleibt so viel zurück?
Wirst du bei dem Gedanken nicht verrückt?

Ist es nicht seltsam, dass die Liebe weiter trägt
als uns der Weg des Lebens führt?
Sogar, sogar durch verzweifelndes Leid.

Wer wird, wer wird nichts weiter als ein Mensch sein?
Und warum? Warum beißen Monster tief?
Gibt’s einen Punkt an dem die Kraft versiegt?

Ist es nicht seltsam, dass der Glaube weiter trägt
als uns der Weg des Lebens führt?
Sogar, sogar durch unsere Verlorenheit.

Kategorien: Aufbauendes, Hoffnungsvolles | Schlagwörter: , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hier

So weit weg und doch ganz nah,
zwei Orte an denen wir zusammen sind,
suche dich unter meinen Fingern
und hab dich immer in mir drin.

Hier ist die Zeit
und morgen tröstet mich nicht mehr.
Jetzt ist der Ort
und jeder andere ist verkehrt.

Überall und nirgendwo,
genau dort habe ich meinen Traum.
Ich schnippe mit meinen Fingern,
lass ihn mir nicht mehr klau’n.

Hier ist die Zeit
und morgen tröstet mich nicht mehr.
Jetzt ist der Ort
und jeder andere ist verkehrt.

Niemals und jederzeit,
genau dann hast du meine Hand.
Ich reis‘ genau zu diesem Tag
und wart‘ auf jenes Land.

Kategorien: Verliebtes | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

Tierexperimente

Willhelms (Cyborg, ca. 90 Jahre) Gedanken zu genetischen Experimenten,
aus: Jakob & Will (Willhelm der Cyborg Teil 2):

Kurz überlegte er, ob er die Küken nicht doch den Labormenschen übergeben sollte. Doch dann rief er sich ins Gedächtnis, was die Frau im Tierheim gesagt hatte und schüttelte den Gedanken schnell ab. Zu Menschen, die es einfach verdient hatten, konnte er ohne Probleme grausam sein, aber zu so kleinen Geschöpfen, die nichts getan hatten als auf die Welt zu kommen, den Puls des Lebens in ihrer Brust, das Licht durch ihre unreifen Augen, die Wärme und Kälte…

Wer wusste, was sie aus diesem Leben machen würden? Es war ihr Leben, kein Designer sollte das Recht haben sie in die Mülltonne zu werfen oder irgendwelche gruseligen Experimente an ihnen durchzuführen.

Viel sinnvoller wäre es, wenn man die Experimente an jenen Leuten ausübte, die sie sich ausgedacht hatten. Sie würden gleich die Strafe dafür erhalten, dass sie ihr Leben verwendet haben um anderen Lebewesen Qualen zu bereiten. Es ist doch erstaunlich, was Menschen aus ihren Leben machen – so armselig. Da wird es ihnen geschenkt und anstatt ein wenig Respekt zu zeigen pfuschen sie damit herum. Fast so als wäre es Müll und dann fühlen sie sich noch toll, weil sie meinen eine Recyclinganlage geschaffen zu haben, mit der sie Leben reproduzieren können. Dabei haben sie doch wunderschöne Schmuckstücke aus reinem Gold bekommen – und sie haben sie eingeschmolzen und zu Barren gegossen und sind jetzt stolz darauf, dass sie so viel Gold haben.

Dass aber die Schmuckstücke viel schöner sind als die Barren und das Gold überhaupt nur in Form der Schmuckstücke seinen Wert erhält, können sie nicht sehen. Noch schlimmer ist, dass die Menschen dazu neigen ihr Gold und sogar ihren Schmuck wegzuschließen. Schmuck ist doch zum Tragen da, der ganze Sinn von Schmuck geht verloren, wenn man ihn nicht trägt.

Willhelm strich über die groben Federn. Er bekam wieder einmal eine seiner Krisen. Als nächstes kam die Frage, warum er diesen Beruf ausübte, wenn er das wirklich so sah. Die Antwort darauf war, dass er nur Tieren, die keine Kollektive bildeten anrechnen konnte, dass ihr Leben einen wirklichen Wert hatte. Ratten zum Beispiel warfen ihr Leben weg indem sie sich auf einen Haufen warfen. Wenn er eine Ratte treffen würde, die ein Einzelgänger war, er würde ihr nichts tun können. Und ja, ihm war klar, dass er kein Recht hatte diese Ansicht auf irgendein anderes Leben anzuwenden als sein eigenes.

Trotzdem konnte er nicht anders fühlen. Er sah aus der geöffneten Tür auf die hohen Gebäude der Stadt. Haufen.

Kategorien: Willhelm | Schlagwörter: , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein neuer Held

Willhelm, der Cyborg

Ein neuer Held ist geboren und er weiß es selbst noch nicht. Es hat ihm ja auch keiner gesagt. Außerdem war er ohnehin viel zu beschäftigt damit keine Straftaten aus seiner beschissen Wut heraus zu begehen. Wobei es diese bekloppten Idioten, die es erwischt hatte, vollauf verdient hatten.

Ganz ruhig, Willhelm, es ist alles in Ordnung.
Aber wenn ihm jetzt einer ankommt und ihm sagt, er ist ein Held, dann würde er ihm seine verkackte Zunge in die Ohren rammen! Er will nur seine Ruhe, verdammte Scheiße nochmal!

Und inzwischen hat er seine Ruhe. Seit einigen Jahren sogar eine sehr gute Ruhe. Er hatte sich so sehr beruhigt, dass er schon kaum mehr verstehen konnte, wie er so aggressiv gewesen sein konnte. Aber er wusste es noch: es war wegen den Menschen, die ihn dafür verachteten, was er ist. Wegen dieser arroganten Säcke, die sich weigerten ihm Essen zu verkaufen. Verdammtes Essen! Vermieter, die ihn auf die Straße warfen, weil er eine Zumutung für die Nachbarschaft sei. Keine Arbeit, weil kaum jemand bereit war einen Cyborg einzustellen. Einen beschissenen Cyborg!

Und alles hat er diesem Teufel zu verdanken, dem Magister, einem Dämon aus der Hölle, der nebelhaft Willhelms Erinnerungen durchspukt.

Aber was soll’s. Willhelm hat sich Jahrzehnte aufgeregt. Jahrzehnte lang hat er gehasst. Und endlich konnte er los lassen. Ruhe. Endlich Ruhe.

Teil 1: Willhelms Erschaffung

Wie er geworden ist, was er ist, hat Willhelm erfolgreich verdrängt. Er ist ein Cyborg und das ist schwer genug. Er ist froh am staubigen Stadtrand endlich ein ruhiges Leben mit Jakob und eine erfüllende Arbeit als Automechaniker gefunden zu haben. Doch dann taucht in der Werkstatt ein merkwürdiger Stein auf und am selben Tag verschwindet ein Kunde spurlos. Getrieben von seiner Neugier und der Belohnung für Hinweise auf das Verbleiben des reichen Mannes setzt Jakob alles daran die Geschehnisse zu ergründen. Und zieht dabei Willhelm mit hinein in ein Abenteuer, dessen Ende nicht nur die Aufklärung von Willhelms Entstehung sondern auch die Enthüllung seines Schöpfers bereithält.

An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit arbeitet George Lecter verbissen an den Plänen für eine Zeitmaschine, kommt aber nicht weiter. Robert Gold, ein guter Freund und innovativer Wissenschaftler, sorgt für den Kontakt zu Dr. Charly Watson um George auf andere Gedanken zu bringen. Das funktioniert und die beiden kommen sich schnell näher. Dabei muss George ein dunkles Geheimnis bewahren, für das Charly sicherlich kein Verständnis hätte. Als Charly eines Tages eine absurde Idee äußert, kommt George auf eine skrupellose Lösung für die Zeitmaschine und das dunkle Geheimnis tritt ans Licht.

Kategorien: Willhelm | Schlagwörter: , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bescheuert und behindert

Eine Situation zwischen Arbeitskollegen: Die Kollegin hat einen kleinen, aber sehr eindeutigen Fehler gemacht. Sie kommentiert das mit: „Ich bin auch bescheuert.“ Ein Kollege hat den Fehler gesehen und sagt gleichzeitig mit ihr: „Du bist doch behindert.“ Sie lacht: „Ja, ich bin beides: bescheuert und behindert.“

Ja, ist klar. Sie ist behindert. Ist sie natürlich nicht, sie hat überhaupt keine Behinderung. Und ich frage mich: Merken die so gar nicht, was sie da sagen? Es ist ja nicht mal so, dass die beiden betreffenden Kollegen tatsächlich abwertend über Menschen mit Behinderung denken würden. Sie wissen, dass ein Mensch mit Behinderung in keiner Weise schlechter ist als jeder andere Mensch. Und sie wissen, dass eine Behinderung haben nichts damit zu tun hat bescheuert zu sein. Wenn man sie darauf anspricht, sagen sie das ganz deutlich. Denn das Wort abwertend benutzen, „ist ja was anderes“.

Gut, es ist etwas anderes. Wenn man sagt „du bist doch behindert“ ist das zum Beispiel anders als einen Menschen wegen seiner Behinderung zu mobben. Aber es hängt zusammen. Ich fühle mich schon fast dämlich das zu schreiben: Es hängt zusammen. Selbstverständlich hängt das zusammen, der Wortstamm von behindert und Behinderung ist derselbe, wie sollte es nicht zusammen hängen, verdammt? Und trotzdem höre ich immer wieder Ausflüchte in dieser Art. Ständig versuchen Leute sich rauszureden mit „das ist ja was anderes“, „so ist das ja nicht gemeint“, „ach, du weißt doch, was ich sagen will“. Nein, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ein Wort als beleidigende Abwertung benutzt wird, das eigentlich nur eine Beschreibung ist. Eine Beschreibung wie rothaarig oder groß. Also nein, ich weiß nicht, wie das nicht so gemeint sein kann. Und was will man denn sagen, wenn man über jemanden herzieht und ihn dabei „Spast“ nennt? Oder was will man sagen, wenn man jemanden anschnauzt mit: „Bist du behindert?“

Vielleicht liegt diese Unsensibilität ja daran, dass man behindert nicht mehr als Bezeichnung für Menschen mit Behinderung nimmt, weil sie reduzierend und entmenschlichend ist. Aber wenn man das eingesehen hat, dann muss einem doch auffallen, dass es ebenfalls nicht in Ordnung ist behindert als Schimpfwort zu benutzen, oder? Ich finde es erstaunlich, dass die Menschen, die behindert als Beleidigung verwenden, sich scheinbar wirklich nicht bewusst über die Diskrimierung sind, die sie damit aussprechen. In der Schule hatte ich einen guten Freund, dessen Hüfte seit seinem 11. Lebensjahr kaputt ist. Er musste viele OPs über sich ergehen lassen, eine zeitlang war nicht klar, ob er jemals wieder gehen könnte. Seitdem hat er eine künstliche Hüfte und humpelt. Irgendwann in der 10. Klasse kam es zu einer Szene, in der eine Mitschülerin, mit der er seit 5 Jahren in einer Klasse war, genau das zu ihm sagte: „Bist du behindert oder was?“ Er starrte sie kurz etwas fassungslos an und sagte dann wütend: „Ja, ich bin behindert! Hast du ein Problem damit!?“

Kategorien: Anmerkungen | Schlagwörter: , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Willhelm, der Cyborg

Soeben habe ich festgestellt, dass meine Abtauchzeit auf dem Blog schon ein Jahr überschritten hat. Dabei war ich nicht untätig, nur zu – beschäftigt. Oder so. Immerhin habe ich in der Zeit ein Studium zuende gebracht, das muss als Ausrede reichen.

Jakob hat sein Studium nicht abgeschlossen. Weil er von der Uni geflogen ist. Ist eben scheiße, wenn man schon das Glück hat in das Karl-Weißhaupt-Colleg für Maschinentechnik zu kommen, die halbe Einrichtung abzufackeln. Zumal er hinterher zugeben musste, dass er eigentlich nur ein Plasmafeld im Büro des Direktors aufbauen wollte um ihm einen Schreck einzujagen. Nach einer langen Reihe von Streichen war das der letzte auf dem Colleg. Er hat noch an einigen anderen Hochschulen studiert mit einem festen Ziel: Nicht den Abschluss, sondern seine Ruf als schrecklichster Student aller Zeiten zu manifestieren. Höhepunkt war der fliegende Campus, den er baute nachdem er erfahren hatte, dass einer seiner Lehrer unter Höhenangst litt. Man kann sagen, dass er sein Ziel erreicht hat.

Der Dumme war nur, dass Jakob sehr einsam wurde, denn niemand wollte etwas mit jemandem zu tun haben, der nur Probleme machte. Es sei denn es gäbe jemanden, der mehr Probleme hatte als Jakob jemals produzieren konnte. Und so unwahrscheinlich das klingt, es gibt ihn UND Jakob hat ihn auch noch getroffen: Willhelm, den Cyborg.

Willhelm ist mehr Maschine als Mensch, vollgestopft mit Cyberelementen von oben bis unten – und das in einer Zeit, in der es verpönt ist sich auch nur ein einziges Cyberelement implantieren zu lassen. In einer Zeit, in der Cyborgs eigentlich um organische Elemente ergänzte Maschinen sind. Dazu kommt, dass er sich nicht erinnern kann warum er ein Cyborg ist, nicht an sein Leben davor, nur an den bösartigen Magister, ein Monster, das ihn zu dem gemacht hat, was er ist. Außerdem ist Willhelms Vorstrafenregister um einiges schwerwiegender als ein abgebranntes Gebäude oder ein ruinierter Campus.

Aber seit er Jakob kennt, muss er an seine verkorkste Vergangenheit immer weniger denken. Und seit Jakob Willhelm kennt, ist er nicht mehr alleine. Und auch etwas ruhiger geworden. Da passt es eigentlich so überhaupt nicht, dass die Vergangenheit sich plötzlich wieder meldet.

Okay, und das, was dann alles passiert ist, daran habe ich im letzten Jahr geschrieben. Mehr folgt.

Kategorien: Willhelm | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ich Dich

Ich finde dich in deinen Augen,
in deinen Ohren, an deinen Lippen,
in all den liebevollen Blicken,
die mir den Atem rauben.

Ich sammle dich mit meiner Nase,
mit meinen Fingern, mit allen Sinnen,
mit der Angst es könnt verinnen,
zerbrechen wie eine antike Vase.

Ich halte dich in meinen Armen,
an meinem Herzen, für wundervoll,
in meinen Gedanken, und das ist toll,
für Glück und Gottes Erbarmen.

Ich mag dich sehr, ich hab dich lieb,
und auch wenn ich mich nicht leiden kann,
nicht verstehe wie man bei mir bleiben kann,
ich mag uns und dass es uns gibt.

Kategorien: Verliebtes | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

Entgleisung

Ich fühle mich schlecht, weil ich mich schlecht fühle, dafür dass ich mich schlecht fühle.
Wie viele Runden will ich heute drehen?

Ich hasse mich, weil ich mich hasse, dafür dass ich mich hasse.
Wie lange soll das so weiter gehen?

Ich verurteile mich, weil ich mich verurteile, dafür dass ich mich verurteile.
Vielleicht bin ich bloß ein Versehen?

Ich verliere mich in meinen Kreisen,
die wie kalte Kerker sich gestalten,
und kann aus ihnen nicht entgleisen,
weil sie mich mit heißen Eisen halten.

Achtung, Achtung! Halten Sie sich fest!
Wenn ein Kopf seine Gewohnheiten verlässt,
ist nichts mehr sicher, nichts mehr wie gewünscht.
Und jeder Schritt wird ein Wagnis ohne Halt, ohne Netz und ohne Sicherungsseil,
während unten im wilden Strom wieder ein Mensch versinkt,
ein alter bloß, nicht mehr als ein unpassender Teil
meines ichs.

Bleiben Sie ruhig! Und keine Panik!
Alles wird gut oder ich brech mir das Genick
bei dieser wilden Fahrt in den Irrgarten der Gefühle, Gedanken und Abgründigkeiten.
Ich kann nur verlieren, den ganzen Balast, der mich quält,
die Alpträume und Horrorvisionen, die mich begleiten,
keine Frage, dass man daran schwerer trägt
als nötig.

Kategorien: Aufbauendes, Aufgewühltes | Schlagwörter: , , , , | Ein Kommentar

Wegemut

Wir gehen die Wege, die Wege des Lebens,
wir gehen dahin und kommen nie an.
Wir setzen uns Ziele, Ziele im Leben,
wir gehen drauf zu und wachsen daran.

Plagt uns der Gedanke, der Gedanke ans Scheitern,
der Weg scheint versperrt, einer Sackgasse gleich.
Doch dann wird er wachsen, sich einfach verbreitern,
wir kämpfen uns durch, die Sackgasse weicht.

Und will sie nicht weichen, bleibt tatsächlich bestehen,
wird das Ziel aufgegeben und ein neues bedacht.
Sind doch nicht gescheitert, denn es liegt ja im Gehen,
aus Schritten nicht Zielen ist unser Leben gemacht.

Kategorien: Aufbauendes | Schlagwörter: , | Hinterlasse einen Kommentar

Wiedersehen

Theodor flog. Er schwebte in der Luft. Unter ihm starrten die Steinriesen ihm entgegen. Neben ihm auf dem Hang stand einer und griff nach ihm, aber sein Arm war zu kurz um ihn zu erreichen. Von oben sah er dutzende Riesen schwerfällig herunter steigen. Da flog ein Brocken dicht an ihm vorbei und zerbarst mit einem Knall unter ihm am Fels. Sie bewarfen ihn mit Steinen. Immer mehr Steine flogen auf ihn zu, er versuchte ihnen auszuweichen und begann noch oben zu fliegen. Aber es wurden zu viele. Ein Stein traf ihn an den Beinen und brachte ihn aus dem Gleichgewicht, ein weiterer traf ihn an der Schulter und ein dritter auf den Bauch und riss ihn mit sich in die Tiefe.

Er konnte sich nicht rühren und alles war dunkel. Der Steinregen hatte ihn begraben. Dumpf hörte er wie Steine weggerollt wurden und nach einiger Zeit drang schwaches Licht durch einen Spalt hinein. Es dauerte dann nicht mehr lange bis die Steinriesen ihn ausgegraben hatten. Vorsichtig rollten sie den letzten Stein von ihm herunter. Theodor stand auf. Um ihn herum standen sie und starrten hin an. Unsicher sah er sie an. „Was… was wollt ihr von mir?“ stotterte er ängstlich. Da traten sie beiseite, sodass sich ein Gang in das Innere des Berges bildete. Wie ein hohles Auge glotzte ihn die Dunkelheit an. „Da soll ich rein gehen?“ Alle Steinriesen hoben ihre Arme und zeigten in die Höhle. „Das heißt dann wohl ja…“ murmelte Theodor vor sich hin.

Mit jedem Schritt schien es dunkler zu werden. Die Steinriesen hielten sich an sein Tempo und folgten ihm. Einige gingen neben ihm und hinter ihm kam der ganze Rest, hunderte mussten es sein. Sie geleiteten ihn immer tiefer in den Berg bis er kaum noch etwas sehen konnte. Er stolperte über eine Kante und als er sich wieder aufrichtete und einen weiteren Schritt machte, war da noch eine Kante und noch eine. Eine Treppe, die nach oben führte, wenn er sich nicht täuschte im Kreis. Und so stieg er die Treppe hinauf bis er in einen großen Raum kam, der schwach beleuchtet war von ein paar Kerzen, die auf einem Tisch brannten. Hinter dem Tisch saß eine Geistergestalt vor einem Buch. Sie schaute auf als Theodor hinein kam.

„Ein Besucher? Was will der hier? Was willst du? Und wer bist du? Wer hat dich hierher gebracht?“ Theodor wusste nicht worauf er zuerst antworten sollte. Die Stimme kam ihm bekannt vor. „Was ist? Sag schon!“ – „Ich, also, ich suche jemanden.“ Die Gestalt lachte. „Dann sind wir schon zwei.“ Sie erhob sich vom Stuhl und kam auf Theodor zugeschwebt. „Und wen suchst du?“ – „Meinen Bruder“, antwortete Theodor. Die Gestalt stockte. „Nicht wirklich“, murmelte sie und begann auf und ab zu schweben. „Nicht wirklich, du bist es, Theodor? Wie bist du hier gelandet? Hat der Vogel dich auch erwischt?“ – „Der Vogel? Nein, ich – wer bist du? Bist du Irimus?“ Der Geist nickte. „Ja, ich bin es, Theodor. Der Vogel hat mich gepackt und in die Berge gebracht, in sein Nest. Er wollte mich an seine Jungen verfüttern, aber meine Freunde hier“, und er deutete auf die Steinriesen, „haben mich gerettet.“ – „Und Kulka?“ Traurig senkte Irimus die Stimme. „Ich weiß es nicht, bevor ich über den Zaun kam, wurde ich gepackt. Ich würde zu gerne wissen wo sie ist.“ – „Vielleicht kenne ich jemanden, der das weiß“, sagte Theodor. Er dachte an Schumesch, der Wächter wusste eine ganze Menge über Reich des Todes und hatte sicher eine Ahnung wo sie sein konnte. „Aha“, machte Irimus abfällig, „und wo ist dieser jemand.“ – „In Nekropolis.“ Theodor war ein bisschen stolz, dass er den Namen der Stadt behalten hatte. „Ach ja, und wie kommen wir da hin?“ grunzte Irimus hoffnungslos. Das wusste Theodor auch nicht. Er zuckte mit den Schultern. Er hoffte, dass Schumesch wirklich auf ihn wartete und nach einiger Zeit diesem Prosperion befahl ihn zurück zu holen.

„Naja, auch egal“, sagte Irimus, „komm, ich zeig dir was.“ Er stieg eine schmale Treppe hinauf, die nochmal so lang war wie die, die zu ihm geführt hatte und öffnete eine schwere Tür aus Stein. Dahinter war es so hell, dass Theodor die Augen schließen musste. Als er sich an das Licht gewöhnt hatte, fand er sich auf dem Gipfel eines Berges wieder. Und auf diesem Gipfel war ein kleiner Krater. Und in der Mitte des Kraters stand ein Sarg ganz aus Glas. Und darin lag jemand. Ein Kind, kein Geist, ein richtiger Körper. „Er war schon da als ich kam“, sagte Irimus, „und er lebt. Ich meine, er ist nicht tot wie wir, er ist in seinem Körper, ein lebender Mensch im Reich des Todes. Stell dir vor.“ – „Josua“, hauchte Theodor fassungslos.

Kategorien: Es waren einmal zwei Brüder | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: